Slide1 :
Erfahrungen mit der Modularisierung der Lehrerausbildung nach HLBG und UVO
am Studienseminar für Gymnasien in Kassel
Jürgen Pohl, Fachleiter für Mathematik
In den vergangenen Jahren haben meine Kolleginnen und Kollegen und ich engagiert daran gearbeitet, die neue modularisierte Ausbildung an die Realitäten eines Flächenseminars und des Schulalltages anzupassen.
Slide2 : Warum wurde die bisherige Ausbildung aufgegeben?
Bologna-Prozess,
einheitliche Ausbildungsformen in Europa,
Mobilität, Vergleichbarkeit
ECTS
Postulierte Mängel der bisherigen Ausbildung nach APVO:
Beliebigkeit der Inhalte, „Jeder macht, was er will!“,
„eheähnliche Verhältnisse“,
zu starke Ausrichtung am Fach,
fehlende Diagnose-, Beratungs-, Methoden- und Medienkompetenz,
zu wenig Praxisnähe.
Leider wurde das nie wissenschaftlich untersucht.
Slide3 : Übergang von der APVO-Ausbildung zur UVO-Ausbildung
Bisherige Ausbildungsstruktur:
Zweijährige Ausbildung gegliedert in Einführungs-, Differenzierungs-, Intensiv(I+II)- und Prüfungsphase
Beginn jeweils Mai und November
Ausbildung in zwei Fächern und in Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften
Angebunden an eine oder zwei Ausbildungsschulen, Ausbildung „in der Fläche“
Schwerpunkt der Ausbildung in der Schule, Unterrichtsverpflichtung
Am Ende: Zweites Staatsexamen mit 2 Lehrproben und mündlicher Prüfung (ggf. verteilt auf mehrere Tage)
Grundlage waren die Pläne für die pädagogische Ausbildung…
Slide4 : Organisationsmodell im 2-jährigen Vorbereitungsdienst (Gymnasien) nach APVO (bis 2005) Studienseminar für Gymnasien in Kassel, Steuergruppe. 05.06.07 Einfüh-rungs- phase Intensivphase I Intensivphase II Prüfungsphase
Zweite Staats- prüfung
Differen-zierungs- phase Ausbildungsbereich Fach 1: Fachausbildung im ersten Fach: laufende Fachseminare und insgesamt 6 Unterrichtsbesuche
Fortlaufende Beratung + Betreuung der Referendarinnen und Referendare
Ausbildungsbereich Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften:
allgemeinpädagogische Ausbildung: laufende (Schul-)Seminare und Unterrichtsbesuche in den Fächern
Fortlaufende Beratung + Betreuung der Referendarinnen und Referendare Ausbildungsbereich Fach 2: Fachausbildung im zweiten Fach: laufende Fachseminare und insgesamt 6 Unterrichtsbesuche
Fortlaufende Beratung + Betreuung der Referendarinnen und Referendare
Ausbildungsbereich Schule:
Hospitation, angeleiteter Unterricht und eigenverantwortlicher Unterricht des Referendars
Fortlaufende Beratung + Betreuung durch E/G-Ausbilder, beide Fachausbilder und Schulleitung
Der Schwerpunkt der Arbeit der Referendarinnen und Referendare liegt in der Schule 10 WSt. Hospitation. + angel. Unterricht. 12 WSt: 4-6 WSt Hosp. + ang. Unterr. und 6-8 WSt eig. Unterr. 16 WSt, 10-12 eig. Unterr. und 4-6 WSt Hosp. + ang. Unterr 16 WSt, 10-12 eig. Unterr. und 4-6 WSt Hosp. + ang. Unterr 10 WSt Hosp. + ang. Unterr., ggf. eig. Unterr. Nach der Prüfung:
10-12 WSt Unterricht oder Betreuung.
Slide5 : Übergang von der APVO-Ausbildung zur UVO-Ausbildung
Neue Ausbildungsstruktur:
Zweijährige Ausbildung gegliedert in Einführungs-, 1. und 2. Haupt- sowie Prüfungssemester
Beginn jeweils Februar und August (Schuljahrsbeginn)
Ausbildung in zwei Fächern und allgemeiner Pädagogik im Rahmen von Modulen (Kerncurriculum)
Module = Ausbildungsveranstaltungen mit festgelegten Strukturen, 60 Stunden Workload, 2 ECTS
Semesterorientierung, Festlegung der Module auf Semester
Kompetenzen und Standards, später Indikatoren
Festgelegte Leistungsanforderungen
Laufende Bewertung
Angebunden an eine oder zwei Ausbildungsschulen, Ausbildung „in der Fläche“
Schwerpunkt der Ausbildung in der Schule, Unterrichtsverpflichtung
Am Ende: Zweites Staatsexamen mit schriftlicher Arbeit, zwei Lehrproben und mündlicher Prüfung (an einem Tag)
Slide6 : Binnenoptimiertes Strukturmodell zur Modularisierung im 2-jährigen Vorbereitungsdienst Studienseminar für Gymnasien in Kassel, Steuergruppe. 05.06.07 Einführungssemester
Richtwert: 300 Zeitstunden Modul 6 – PMb
2 ECTS
Modul im 1. Unterrichtsfach
Modul 7 – PMb
2 ECTS
Modul im 2. Unterrichtsfach
1. Hauptsemester
Richtwert: 330 Zeitstunden Modul 11 – PMb
2 ECTS
Modul im 1. Unterrichtsfach Modul 12 – PMb
2 ECTS
Modul im 2. Unterrichtsfach 2. Hauptsemester
Richtwert: 300 Zeitstunden Prüfungssemester
Richtwert: 150 Zeitstunden
Modul 13 – PMb (30 + 30 Std) – 2 ECTS
Schule mitgestalten und entwickeln - mit/durch Schulleitung
Modul 3 – PMb
2 ECTS
Erziehen, Beraten, Betreuen
Modul 14 – WPMb
2 ECTS
Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen
Modul 10 – WPMb (30 + 30 Std) – 2 ECTS
Methoden und Medien einsetzen
Modul 5 – WPM – (30 Std.) - 1 ECTS
Profilbildung Studienseminar Modul 8 – PMb
2 ECTS
Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen
Modul 2 – PMb
2 ECTS
Lernprozesse in
den
Unterrichtsfächern
beobachten
und … gestalten
Modul 9 – WPMb
2 ECTS
Erziehen, Beraten, Betreuen Modul 16 – WPM
2 ECTS
Vorbereitung auf den Berufseinstieg
Studienseminar Modul 15 – PMb
2 ECTS
Lernprozesse in den
Unterrichtsfächern
professionell …
gestalten
Modul 1 – WPM
2 ECTS
Einführung
in Schule
und Unterricht in den Fächern
Studienseminar
Vorbereitung auf Zweite Staatsprüfung:
Vorbereitung der beiden Lehrproben,
Vorbereitung der mündlichen Prüfung Zweite Staats- prüfung
Modul - WPM – 2 ECTS (Schriftliche Arbeit)
Ausgestaltung Studienseminar Ausbildungsbereich
Fortlaufende Beratung + Betreuung der LiV – Portfolio (60 Stunden gesamt/30 Std/Halbjahr) Ausbildungsbereich
Fortlaufende Beratung + Betreuung der LiV – Portfolio (60 Stunden gesamt/30 Std/Halbjahr) Modul 4 – WPM
30 Std. - 1 ECTS
Einführung
Methoden + Medien
Studienseminar Ausbildungsbereich Schule:
Hospitation, angeleiteter Unterricht und eigenverantwortlicher Unterricht des Referendars
Der Schwerpunkt der Arbeit der Referendarinnen und Referendare liegt in der Schule 10 WSt. Hospitation + angel. Unterricht 16 WSt, 10-12 eig. Unterr. und 4-6 WSt Hosp. + angel. Unterr. 16 WSt, 10-12 eig. Unterr. und 4-6 WSt Hosp. + angel. Unterr. 12 WSt: 8 eig.Unterr. 4 Hosp. + ang. Unterr., Nach der Prüfung:
Bis zu 12 WSt Unterr. oder Betreu. Arbeitszeit in Modulen: 1080 Std. Gesamtarbeitszeit im Unterricht: 2520 Std.
Slide7 : Bezugsrahmen zur Kompetenzorientierung
Im Februar 2007 hat das AfL einen solchen Bezugsrahmen erstmals vorgestellt:
Kompetenzen bezeichnen „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemstellungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“ (Weinert 2001, S. 27f.)
Standards beziehen sich nach Lersch (2006, S. 31) und Terhart (2005, S. 277) auf den Ausprägungsgrad von Kompetenzen. Sie beschreiben Anforderungen an das Handeln von Personen, beziehen sich auf erworbene Kompetenzen und somit auf die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen, über die eine Person zur Bewältigung von Anforderungen verfügt (s. auch KMK, Standards für die Lehrerbildung).
Veränderter Lernbegriff – Grundlagen:
Auf der Grundlage eines humanistischen Menschenbildes ergibt sich in Auseinandersetzung mit Erkenntnissen der Neurophysiologie und Konzepten der konstruktivistischen Didaktik die Notwendigkeit der Veränderung des Lernbegriffs: Lernen ist ein aktiver, selbst konstruierter und selbst verantworteter Prozess, in dem die Person des Lerners im Mittelpunkt steht. Lernarrangements müssen also für die Lerner transparent sein hinsichtlich der Ziele, Methoden und Arbeitsformen; sie müssen auch berücksichtigen, dass Lernen als ein ganzheitlicher, emotionaler, beziehungsorientierter und selbstreflexiver Prozess aufzufassen ist im Sinne eines für den Lernenden selbst wahrnehmbaren Kompetenzaufbaus.
Definitionen: Kompetenzen, Standards und Indikatoren :
Definitionen: Kompetenzen, Standards und Indikatoren Kompetenzen in der Lehrerbildung
=
professionelle Fähigkeiten von LiV zur
Bewältigung beruflicher Anforderungen
►Was sollen die LiV können?
Standards in der Lehrerbildung
=
Gesellschaftlich vereinbarte und maßstabsorientierte
Kompetenzniveaus von LiV
► Was sollen die LiV auf welchem Niveau und
orientiert an welchen Maßstäben können?
Indikatoren in der Lehrerbildung
=
Beobachtbare Verhaltensweisen in Bezug auf das
Kompetenzniveau einer LiV
► Woran kann das Können der LiV
erkannt werden?
Nach: AfL (Moegling 2 / 06)
Slide9 : Grundlage der Erarbeitung aller Module in den Fächern sind die KMK-Kompetenzen und Standards (Beschluss der KMK 16.12.2004)
Beispielhaft der
Kompetenzbereich: Unterrichten
Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für das Lehren und Lernen.
Kompetenz 1: Lehrerinnen und Lehrer planen Unterricht fach- und sachgerecht und führen ihn sachlich und fachlich korrekt durch.
Kompetenz 2: Lehrerinnen und Lehrer unterstützen durch die Gestaltung von Lernsituationen das Lernen von Schülerinnen und Schülern. Sie motivieren Schülerinnen und Schüler und befähigen sie, Zusammenhänge herzustellen und Gelerntes zu nutzen.
Kompetenz 3: Lehrerinnen und Lehrer fördern die Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern zum selbstbestimmten Lernen und Arbeiten.
Slide10 : Positives
Studienseminare sind in der Modularisierung angekommen
Module schaffen Transparenz, Vergleichbarkeit, Gleichwertigkeit und Überprüfbarkeit von Inhalten und Anforderungen
stärkere Kompetenz- und Praxisorientierung der Arbeit in den Modulen
Transparenz über die Inhalte der Modulveranstaltungen. ABER: die z. T. divergierende Praxis von Ausbilderinnen und Ausbilder
Modulkonferenzen des AfL: Erarbeitung der Module, Erfahrungsaustausch, inhaltliche und seminardidaktische Absprachen
die Integration der Phasen bzw. Semester in den heterogenen Gruppen
schulnahe Bank
Kooperation mit dem Partnerseminar Fulda
Slide11 : Probleme mit den Modulen
zu hohe Anzahl von verpflichtenden Modulen
zu frühe und zu häufige (permanente) Bewertung, dadurch permanente Belastung
zu geringes Gewicht der fachbezogenen Ausbildung
geringe Gestaltungsspielräume der Seminare
hohe zeitliche Belastung in den Modulen und Veranstaltungen
Akzeptanzprobleme von nichtbewerteten Modulen
Zu hohe und zu unterschiedliche Anforderungen in den Modulen
Inhaltliche Überfrachtung der Module
Fehlende Vernetzung der Module (Dopplungen, fehlende Absprachen und Informationen über Modulinhalte)
Slide12 : Probleme mit der Modularisierung
Ausweitung der Arbeitszeit der LiV und der Ausbilderinnen und Ausbilder, zudem Parallel-Ausbildung nach APVO und UVO.
Tendenz zur Selbstausbeutung besonders der Ausbildungsbeauftragten
erheblicher Mehrbedarf an Ausbildern, zu geringe Personalausstattung
Hoher bürokratischer Aufwand, z. T. Verschärfung der gesetzlichen Regelungen
Nicht nachvollziehbare Veränderung der Bewertung des Zweiten Staatsexamens (z.B. in allen Bewertungsteilen 13 Punkte = „gut bestanden“)
Laufende Veränderung von Vorgaben durch HKM und AfL, z.B. bei den Modul-Erarbeitungen
Bisher zu wenig Kooperation mit der 1. Phase
Slide13 : Wünsche für eine Weiterentwicklung
Verringerung der Modulanzahl, Verstärkung der Fachdidaktik
Stärkere Betonung der Praxisanteile
Reduzierung der zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen an die LiV
Erhöhung der Gestaltungsspielräume der Seminare
Verringerung des bürokratischen Aufwands
Bessere Anrechnung der Arbeitszeit der Ausbilderinnen und Ausbilder an die tatsächlichen Erfordernisse
Bessere Personalausstattung
mehr Möglichkeiten der Prozessorientierung
Beratung verstärken, Bewertungen später
Verankerung einer neuen Lehr- und Lernkultur
Mehr ganzheitliche Sicht auf die Lehrerbildung, weniger Fragmentierung
Verstärkung der phasenübergreifenden Kooperation
Stärkung der Rolle der Mentorinnen und Mentoren durch eine Verbesserung von deren Arbeitsbedingungen (z. B. durch Anrechnungsstunden, Doppelsteckungen, …)