logging in or signing up Vorlesung PPT 10 Alfanso Download Post to : URL : Related Presentations : Share Add to Flag Embed Email Send to Blogs and Networks Add to Channel Uploaded from authorPOINTLite Insert YouTube videos in PowerPont slides with aS Desktop Copy embed code: (To copy code, click on the text box) Embed: URL: Thumbnail: WordPress Embed Customize Embed The presentation is successfully added In Your Favorites. Views: 938 Category: Entertainment License: All Rights Reserved Like it (0) Dislike it (0) Added: October 12, 2007 This Presentation is Public Favorites: 0 Presentation Description No description available. Comments Posting comment... Premium member Presentation Transcript Wintersemester 2004/05Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse24.01.2005„Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien: Jannis Androutsopoulos | Juniorprofessur Medienkommunikation www.fbls.uni-hannover.de/medkom Wintersemester 2004/05 Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse 24.01.2005 „Kanaksprak“ zwischen Alltag und MedienWas guckst du?: Was guckst du? "Kaya Yanar ist aufgrund seines unverwechselbaren und geistreichen Humors einzigartig - er ist Kult am Comedy-Himmel und vergrößert Woche für Woche stetig seine Fangemeinde. Innerhalb seines “Ethno-Comedy”-Konzepts schlüpft Kaya mühelos in die unterschiedlichen Rollen und Nationalitäten. Er ist Araber, Türke, Deutscher, Inder, Russe und Italiener in einer Person. Zusammen mit seinen ausländischen Figuren beschreibt er das ganz normale Zusammenleben zwischen Ausländern und Deutschen." www.sat1.de/comedy/wasguckstdu/Fragen: Fragen Was geht Kaya Yabar voraus, wie hat sich "Ethno-Comedy" entwickelt? Wie verhält sich die Sprache der "Ethno-Comedy" zur sprachlichen Wirklichkeit von Migrantenjugendlichen? Wie wird die Sprache der "Ethno-Comedy" von den Rezipienten aufgenommen und angeeignet? Fiktionale Texte, Stilisierung und Aneignung: Fiktionale Texte, Stilisierung und Aneignung Aneignung: kreativer Umgang mit medialen Ressourcen in der Rezipientenkommunikation Stilisierung: Vorführung des typischen Sprachverhaltens einer sozialen Kategorie Konzeption: Symbolische Verarbeitung gesellschaftlicher Erfahrung Gesellschaft- liche Milieus ? ?Vom Gastarbeiter zum ethnic chic der Großstädte: Vom Gastarbeiter zum ethnic chic der Großstädte Veränderung des sozialen Bildes der Migranten von den 1960-er Jahren bis heute Schwerpunkt: türkische Bevölkerungsgruppe Übergang vom Bild eines benachteiligten, sozial diskriminierten Proletariats zu einer selbstbewussten "Minderheit", die zu einer Art Leitethnie unter den Einwanderergruppen zu werden scheint. (Dirim & Auer 2004, Kotthoff 2004) 1990-er Jahre: Die explizite Thematisierung des Gastarbeiters als Objekt der Ausbeutung weicht der Anerkennung einer ethnisch-kulturellen Differenz. Prozesse der Selbst- und Fremdethnisierung Öffentliches Interesse an einer sich etablierenden "türkischen Jugendkultur"Kanak Sprak (1995) : Kanak Sprak (1995) Zaimoglu „erfindet“ 1995 den Sozialtypus des "Kanaken" und seine Sprache - Kanak Sprak. „Kanake! Dieses verunglimpfende Hetzwort wird zum identitätsstiftenden Kennwort, zur verbindenden Klammer dieser „Lumpenethnier“. Analog zur Black-consciousness-Bewegung in den USA werden sich die einzelnen Kanak-Subidentitäten zunehmend übergreifender Zusammenhänge und Inhalte bewußt.“ (S. 17) „Der Kanake spricht seine Muttersprache nur fehlerhaft, auch das „Allemanisch“ ist ihm nur bedingt geläufig. Sein Sprachschatz setzt sich aus "verkauderwelschten" Vokabeln und Redewendungen zusammen, die so in keiner der beiden Sprachen vorkommen.“ (S. 13) „Längst haben sie einen Untergrund-Kodex entwickelt und sprechen einen eigegen Jargon: die „Kanak-Sprak“, eine Art Creol oder Rotwelsch mit geheimen Codes und Zeichen.“ (S. 13)Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Keim 2003): Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Keim 2003) "aus dem Ghetto hinaus" "auf das Ghetto hin" "Ghettojugendliche" . . . Migrantenstämmige Jugendliche junge Männer "Kanaken" ( junge Frauen "Power Girls" )Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 1: Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 1 1. Sprachkontakt Sprache geprägt von dicht aufeinander folgenden Wechseln vom Türkischen ins Deutsche und umgekehrt In türkische Satzkonstruktionen werden deutsche Wörter und Phrasen übernommen ne rückgeld lan düdük ("was für Rückgeld, du Pfeife") Hatce simdi bi vergessen et für ne zeitlang („hey Hatce, jetz vergiss das mal für ne Zeitlang") türkischsprachige Satzteile werden mit deutschen zu einer syntaktischen Einheit verbunden kapatma ("schließ nicht zu"), sind noch sachen drin. Keim (2003): Keim (2003)Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 2: Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 2 2. Ethnolekte sprachliche Varietätn, die den Sprecher als Angehörigen einer ethnischen Gruppe kennzeichnen subjektive Wahrnehmung: Ethnolekt wird mit einer oder mehreren nicht-deutschen ethnischen Gruppen assoziiert; objektive Merkmale: Unterschiede von der gesprochenen Umgangssprache der Muttersprachler durch Merkmale verschiedener Art (prosodisch, phonetisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch) (Klein et al. 2002; Dirim & Auer 2004, 204)Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektale Merkmale am Beispiel der "Turkish Power Boys": Ethnolektale Merkmale am Beispiel der "Turkish Power Boys" Phonetische Merkmale u.a. Koronalisierung des ich-Lauts (und zwar nicht nur in den Regionen, in denen dies dialektal vorkommt) auslautendes /r/ wird nicht vokalisiert (mach weiter) /r/ im Anlauf apikal gesprochen (gerollt) /ts/ zu [s] reduziert Morphologische und syntaktische Merkmale u.a. es fehlen Präpositionen, Artikel, Pronomen Präpositionen und lokale Adverbien werden anders verwendet als im Deutschen üblich Verbzweitstellung in SVO-Stellung umgewandelt (jetzt ich bin 18); Genus- und Kongruenzfehler (ein Ohrfeige geben)Ethnolekte und sprachliches Repertoire: Ethnolekte und sprachliches Repertoire Ethnolekt vs. Lernersprache Flüssige Sprechweise Merkmale des Ethnolekts sind nicht nur Interferenzen aus der L1 Identitätsstiftende Funktion für die Mitglieder der ethnischen Gruppe Ethnolekt z.T. als Ersatz für die (aufgegebene) Muttersprache Ethnolekt ist nicht die einzige Sprechweise, sondern Teil eines sprachlichen Repertoires, der auch andere Varietäten und Sprechstile umfasst Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“: Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“ Moritz Bleibtreu, 1999: "Und jetzt ist eben Türken-Slang angesagt. Auch eine absolute Bereicherung. Man spricht bewußt gebrochenes Deutsch, ignoriert die Grammatik und verwendet Wörter wie "kraß" oder "korrekt" mit hartem "r". Fast alle meine Freunde sind Türken, und wir reden manchmal tagelang nur so. "Kommst du Hamburg?" – "Nee, komme München." (...) In den sechziger Jahren, als die ersten türkischen Gastarbeiter kamen, wäre so eine Sprache jedenfalls undenkbar gewesen. (...) Das Selbstbewußtsein der Türken meiner Generation ist viel größer. Sie sind wie die deutschen Jugendlichen hier aufgewachsen, haben eine ähnliche Geschichte. Und aus diesem gemeinsamen Lebensgefühl entsteht jetzt wunderbarerweise eine gemeinsame Sprache. Während die Politiker noch endlos diskutieren, ob Deutschland nun ein Einwanderungsland ist oder nicht, haben die Jungs und Mädels Multikulti längst umgesetzt."Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“: Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“ Student aus Heidelberg, 1997: Das ist Furcht einflößend. Ich denke diese ethnischen Gruppen wissen, dass die Deutschen Angst vor Ihnen haben. Und wenn jetzt ein deutscher Bub bei dieser Gang kommt mit nem deutschen: [in normalem Akzent] ‘hey warum schaust du so blöd’ das wird überhaupt gar nicht (geachtet), aber wenn der Deutsche jetzt sagen würde: [ethnolektal ausgesprochen] ‘warum machst du mich so dumm an?’, also denk ich, das ist schon... Ethnolekt und jugendliche Migrantengangs (Schläger, Lans): aggressiv, asozial, gewaltbereit, gefährlich Türkendeutsch als funktionale Sprechweise: Türkendeutsch als funktionale Sprechweise Gebrauchskontexte des "Türkendeutsch" unter türkischen Jugendlichen in Berlin-Kreuzberg (Eksner 2000) In Konfliktsituationen mit Deutschen verwenden die (ansonsten Türkisch oder normales Umgangsdeutsch sprechenden) türkischen Jugendlichen ihr „krasseres Deutsch“, um eine fremde und bedrohliche Identität zu projizieren. In der In-Group wird "Türkendeutsch" in spielerischen Konflikten eingesetzt oder dient dazu, die Inkompetenz Dritter zu karikieren. Von der Realität in die Medien: Von der Realität in die MedienMediale Stilisierungen: Mediale Stilisierungen Chronologie 1995: Kanak Sprak (Zaimoglu) 1997: Knocking on heaven‘s door 1998: Wo du wolle? (SWR3) 1998: Mundstuhl / Erkan & Stefan „Moritz Bleibtreu spielte den besonders dämlichen Abdul, dessen Waffe eindeutig besser funktioniert als sein Gehirn. Seine Sprüche sind es, die dem Film einen Großteil seiner Lacher verschaffen. 1997 erhält Bleibtreu für diese Rolle den Lubitsch-Preis.“ www.prisma-online.de/tv/person.html? pid=moritz_bleibtreu Taxi Sharia (SWR 3)Mediale Stilisierungen: Mediale Stilisierungen Belletristik & Film (u.a. Zaimoglu, Fatih Akin) größere Realitätsnähe dokumentarische Züge Migrationshintergrund Comedy & Comics (u.a. Mundstuhl, Erkan & Stefan) „Hyperstilisierung“ (Kotthof 2004) parodistische Züge auch ohne Migrationshintergrund Gattungen"Kanak Sprak" bei Zaimoglu: "Kanak Sprak" bei Zaimoglu "Nachdichtung" Kanak Sprak (1995): kein Wort Türkisch Abschaum (1997): spärliche Wechsel ins Türkische "Amına koyum, die ganze Scheiße hab ich durchgemacht, Alter, ich komm hier draußen nicht klar." Beide Bücher: Sprechsprachlichkeit "Die Jungs und ich sitzen im Flohmarkt, wo denn sonst, Mann? Wo sonst sollen wir sitzen unter uns, und wo sonst sollen wir abhängen? Ein Abend wie der andere, wir saufen, Frauen, Koka, Joints ohne Ende, alle gut drauf, alle amüsieren sich, ein Samstag, der Laden voll mit Türken, alles Türken, da gabs noch kein H, kein Heroin und so, wir waren alle noch fit." Film: Film Über Fatih Akin: „Der Sohn türkischer Eltern beeindruckte Kritik und Zuschauer bereits 1998 mit seinem Spielfilmdebüt "Kurz und schmerzlos". Darin erzählt der Regisseur die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Türken, einem Griechen und einem Serben in Hamburg-Altona, seiner eigenen Heimat. Die Schwierigkeiten der Integration arbeitet er dabei nicht als kopflastiges Thema, sondern im Stil eines Gangsterfilms auf. Der Film erhielt neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen auch den Adolf-Grimme-Preis 2001.“ http://www.stern.de/unterhaltung/film/?id=520292 Mundstuhl, „Dragan & Alder“ (1998): Mundstuhl, „Dragan & Alder“ (1998)Dragan & Alder: Dragan & AlderDragan & Alder: Dragan & AlderDragan & Alder: Dragan & AlderErkan & Stefan : Erkan & Stefan Lebenswelt-Stilisierungen: Lebenswelt-Stilisierungen Film, Belletristik, Comedy – "subkulturelle Narrative“ "Ghetto-orientierte" Figuren, Kleinkriminalität, Drogengebrauch Comedy – "Proll-Türken" Aggressivität, Anmache und AngebereiSprachliche Stilisierungen: Realität und Fiktion im Comedy: Sprachliche Stilisierungen: Realität und Fiktion im Comedy (regionales) Umgangsdeutsch u.a. sprechsprachliche Reduktionen, regionale Phonologie, Ersetzung von als durch wie, jugendsprachliche Ausdrücke Ethnolektale Merkmale U.a. Koronalisierung des ich-Lautes – Vereinfachung von /ts/ zu /s/ – Kürzung langer Vokale – gerolltes /r/ – Fehlen von Artikeln, Präpositionen, Pronomen – Genus- und Kongruenzfehler – weißt du, ich schwör, korrekt, konkret krass Merkmale des Gastarbeiterdeutsch U.a. Vokalepenthese in komplexe Konsonantengruppen (schätrasse, schätudio, kalein) Comedy-Erfindungen „Universalartikel“dem (dem ist korrekt) Wortbildungen: brontal Abwesenheit von SprachwechselSlide31: [1] Koronalisierung des ich-Lauts (gleisch, isch) [2] Reduktionen (is, schwö' dir, vastehst, geh'n, un' ) [3] Einheitspronomen dem (dem ist..., dem kommt...) [4] Fehlen von Artikel (die), Präp. + Art. (in die), Pronomen (mein, es) [5] Kongruenzfehler (bevor bullen kommt, macht dem mann kickbox) [6] Dirkusrpartikeln, Formeln (weissdu | vaschtehs du? | isch schwö' dir | weiss wie isch mein? | korrekt ) [7] Wendungen ( es gibt terminator | jm. kickbox machen ) 2 1 1 2 2 2 3 3 3 4 4 4 5 6 6 6 7 7 1Zurück zu Kaya Yanar : Zurück zu Kaya Yanar "Jeder kriegt was ab" Vielfalt: Vermeidet es, nur eine Figur auszureizen, wechselt zwischen mehreren Figuren Bringt Ethnizität bewusst und explizit in den Vordergrund Komik-Quelle: Hyperstilisierte Fremde beziehen sich auf typisch deutsche Alltagsszenarien "Das Stereotyp wird so deutlich als Stereotyp gerahmt, dass eine Meta-Ebene entsteht. Man lacht nicht über den Italiener, sondern über die Witzfigur des Italieners, des Deutschen, etc." (Kotthoff 2004) "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung www.sat1.de/comedy/wasguckstdu/"Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung headnut.tv mundstuhl.de"Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung"Kanakisch": "Kanakisch""Kanakisch": "Kanakisch"Fiktion und Wirklichkeit in „Kanakisch“: Fiktion und Wirklichkeit in „Kanakisch“ Kanaksprak im Alltag: Kanaksprak im Alltag Quellen Interviews mit einer Gruppe von Heidelberger Studenten (1997/98) Interviews mit 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (2000) - Keine natürlich vorkommenden "Kanaksprak"-Imitationen, sondern Berichte über solche Imitationen und Kommentare von Medientexten, die ich im Laufe des Interviews erwähnte, vorzeigte oder vorspielte. Deppermann (2002): Wie eine Jugendclique vom Dorf "Kanaksprak" nachmachtAneignung: Was: Aneignung: Was Vorgefertigte Wörter, Phrasen und Äußerungen ethnolektale Merkmale, die kreativ neu kombiniert werden Ein Srtudent übernahm von "Dragen & Alder" den "Universalartikel" dem und das Wort konkret und gestaltet damit normale Äußerungen des Alltags. was ist das? was ist dem? ich hab hunger ich hab dem konkret hunger. Themen-Auslöser : Kanaksprak wird durch ein Thema veranlasst, das für mediale Stilisierungen typisch ist (z.B. Mobiltelefone). Lexikalische Auslöser: Der normale Gebrauch von Wörtern wie krass, korrekt, konkret setzt eine ethnolektale Imitation in Gang. Diese Wörter seien so stark mit "Türkendeutsch" verbunden, dass man sie nicht mehr "normal" gebrauchen könne. Aneignung: Wie: Aneignung: Wie "Türkendeutsch" als Angelegenheit der Ingroup-Interaktion Imitation als Selbstzweck: Comedy-Szenen werden nachgeahmt Aneignung im engeren Sinne: "Türkendeutsch" wird in neue kommunikative Situationen eingesetzt, z.B. um Begeisterung, Frust, Unwissen, Enttäuschung oder Ablehnung auszudrücken, als kumpelhafte Begrüßung, scherzhafte Provokation oder anzüglicher Kommentar Ein Angestellter in den Endzwanzigern benutzt "Türkendeutsch", wenn irgendwas im Büro schief geht. Eine Bäckerei-Angestellte wird von einem Mitarbeiter im Backraum mit dem Spruch Wo du wolle empfangen. Zwei 14-jährige Gymnasiasten benutzen "Türkendeutsch" in spielerischen Anmachen: Zum Beispiel, manchmal sag ich so aus Spaß, so "Halt die Maul!" und dann sagt er "Was! Problem!?" und so. Also das ist dann eher so, da verarschen wir damit eher so Schlager. Aneignung: Wozu: Aneignung: Wozu Ansichten der Sprecher selbst: "aus Spaß", "als Witz", "just for fun". "Türkendeutsch" lockert das Gespräch auf Man will dadurch auffallen, sich sprachlich hervorheben Analyse: Verhältnis zwischen Sprecher und Code "Double voicing": das zweistimmige Wort (Mikhail Bakhtin) Ein Sprecher benutzt den Diskurs eines Anderen für seine eigenen Zwecke. „gleichgerichtetes“ (uni-direktionales) zweistimmiges Wort: Sprecher nimmt fremde Stimme als Teil der eigenen Identität an. „verschieden-gerichtetes“ (vari-direktionales) zweistimmiges Wort: Stimme und Sprecher sind klar voneinander getrennt; Gebrauch der fremden Stimme ist mit Spiel, Ironie und Parodie verbunden. "Türkendeutsch" als double voicing: "Türkendeutsch" als double voicing Eine Ressource, um sich Ausdrucksfreiheit zu verschaffen. Wie spricht man Tabu-Themen an? Verstellte Stimme Aneignung frender Sprechweisen Durch "Türkendeutsch" kann man Dinge sagen bzw. Handlungen durchführen, die in der eigenen Stimme einer Gesichtsverletzung oder einem Tabubruch gleich kämen Durch den Code-Wechsel wird die Gefahr, dass die Äußerung als unangemessen oder beleidigend aufgefasst wird, verringert. Beispiel: „Ahmet“: Beispiel: „Ahmet“ Wer: „Ahmet“, türkischstämmiger Student Wann [Situation]: Smalltalk mit einer bekannten Studentin Was: [ethnolektal ausgesprochen] korrekte charakter Worauf [Referenz]: Busen der Frau Woher [Quelle]: Erkan & StefanDeppermann (2002): Deppermann (2002) 01 Frank: hey die blond knut, (.) 02 des war en traum oder? (.) 03 Denis: <<lachend> die ANdere, (.) 04 die- (-) ziemisch 05 <<Stimme überschlägt sich> BR↑AUNE,(.) die war GEIL ey.> 06 Frank: och komm- (.) 07 die blond war- (-) 08 ä BRETT war des e [geRÄ::T (.) 09 [((inaudible)) (---) 10 Bernd: ja, (.) 11 schieb ma=n a:rsch wieder hoch, (---) 12 Denis: <<len, leicht lachend> aldär- (.) KONkret, (.) 13 ober- (.) KRASS.> (.) 14 Bernd: is ultraKRASS. (.) 15 Frank: <<len, h> den is <<f> u:ltragEIl,> (.) 16 aldär, (.) 17 den hab isch schon gesä:hn LETZte 18 Frank: [ja::hr, (.) hey aldär.> (.)] Deppermann (2002): Deppermann (2002) “Kanaksprak” in spielerischen Bewertungen: wird vom umgebenden Gespräch deutlich abgesetzt bleibt auf wenige lexikalische Einheiten eingeschränkt bleibt auf spezifische Aktivitäten beschränkt "Speakers who use stylized Kanaksprak take care to separate it clearly from their basic we-code by packaging stylized Kanaksprak in distinct segments of their own" (Deppermann 2002: 15) Ist Kanaksprak diskriminierend? : Ist Kanaksprak diskriminierend? Offene Diskriminierung Durch Zitate und fingierte Zitate werden einzelne „Kanaken“ bzw. die gesamte soziale Kategorie der „Kanaken“ als aggressiv und lächerlich porträtiert.Deppermann (2002): Deppermann (2002) Die Jugendlichen unterhalten sich über türkische Jugendliche aus ihrer Region. 01 Denis: du hast ja auch <<len> vOll die kO:mischen hAwacks 02 bei dir in de gruppe ey,> (-) 03 Knut: ja wer bei mIr? 04 Denis: =äh also in de kl:- (.) in de klAsse, (-) 05 Knut: isch hab kein: hAwack- 06 (1,0) 07 Bernd: [höhö-] 08 Denis: [kenns]te der eine spAst der immer so <<all>komisch labert,> 09 <<gepresst, f, tiefer werdend> HÖY Aldär höy OAldär öy kr↓Ass öy,> 10 hh. he. (-) 11 Frank: <<len> is=hald ↑Uldra den kerle wEIß=u,> (-) 12 Knut: wEn meinst=en dU? (1,0)Deppermann (2002): Deppermann (2002) Bernd und Wuddi laufen an einem von Zigeunern bewohnten Haus vorbei. Bernd zeigt auf das Haus und singt: 01 Bernd: <<singt> lümm> (-) kanagge [näd da:? ] 02 Wuddi: [<<len>I:sc]h fI:g dI:sch lA:n; (.) 03 Wuddi: I:sch> <<all> gib dir> korRE:KT- (.) 04 Wuddi: trEt dir in die frEsse; [(.) LAN; ] 05 Bernd: [aha ha HA-]Ist Kanaksprak diskriminierend? : Ist Kanaksprak diskriminierend? Offene Diskriminierung Durch Zitate und fingierte Zitate werden einzelne „Kanaken“ bzw. die gesamte soziale Kategorie der „Kanaken“ als aggressiv und lächerlich porträtiert. Latente Diskriminierung Der Gebrauch des karikierten Sprechstils trägt indirekt zur Reproduktion von Vorurteilen und Diskriminierung bei, und zwar unabhängig von den konkreten Absichten und Interaktionszielen der Sprecher. Jane Hill: Doppelte Indexikalität: Jane Hill: Doppelte Indexikalität Jane Hill, US-amerikanische Anthropologin, hat den scherzhaften Gebrauch von Spanisch ("Mock Spanish") unter monolingualen US-Amerikanern untersucht. „doppelte Indexikalität“: Ein karikierter Code stellt gleichzeitig zwei semiotische Bezüge her: „direkte Indexikalität“: Der Gebrauch des fremden Codes weist dem Sprecher (bzw. Performer) bestimmte Eigenschaften zu. „indirekte Indexikalität“: Der Gebrauch des fremden Codes verweist auf soziokulturelle Stereotype, die zur Interpretation der Äußerung notwendig sind. Beispiele Hill: Beispiele Hill Beispiel 1: Encino Man Beispiel 2: Encino Man Beispiel 3: Terminator 2 Beispiel 4: Terminator 2Nochmal: „Ahmet“: Nochmal: „Ahmet“ Wer: „Ahmet“, türkischstämmiger Student Wann [Situation]: Smalltalk mit einer bekannten Studentin Was: [ethnolektal ausgesprochen] korrekte charakter Worauf [Referenz]: Busen der Frau Woher [Quelle]: Erkan & Stefan Direkte Indexikalität? Indirekte Indexikalität?Beispiel aus einer Mailingliste: Beispiel aus einer Mailingliste Kontext: Mailingliste für elektronische Musik, Süddeutschland Stammuser u.a. DJs, Clubgänger Mitglied leitet Werbe-Mail einer DJ-Booking-Agentur an die Liste weiter Vorangestellter Kommentar Kanaksprak als Medienzitat: Kanaksprak als Medienzitat Beispiel „Katja“ Angestellter in der Bäckerei begrüßt sie mit: wo du wolle? Interpretation der Sprecherin: Der Angestellte würde genauso gut einen anderen Spruch verwenden, sofern er gerade angesagt wäre – wichtig sei nicht die Herkunft des Spruchs, sondern seine Aktualität. Beispiel „Jana“ Studentin im Gespräch mit einem ihr bekannten Dekanatsangestellten - Sie: Wir müssen die Sache noch konkretisieren - Er: (ethnolektal ausgesprochen) konkret. Interpretation : ein Versuch, die institutionelle Kommunikation aufzulockern durch einen Witz, der auf geteiltes Medienwissen verweist. Wenn ich korrekt [mit gerolltem /r/] sage und du nicht darauf reagierst, outest du dich als absoluter Loser. Kanaksprak als Medienzitat signalisiert einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund, eine gemeinsame massenmediale Kompetenz „Kanaksprak“, Medien und Sprachwandel: „Kanaksprak“, Medien und Sprachwandel "Türkendeutsch"/"Kanaksprak" als Beispiel für den Effekt der Massenmedien auf die Sprachmoden der Gesellschaft Medientexte transportieren sprachliche Muster von ihren Ursprungsmilieus hin zu breiteren Segmenten der Sprachgemeinschaft. Sie dienen damit als soziolinguistische Vermittler zwischen Teilgemeinschaften. Medien stellen symbolische Ressourcen zur Verfügung, die in die Alltagskommunikation eingehen und dort weiter verarbeitet werden. "Türkendeutsch" im Alltag kann – je nach Kontext - integrierend oder ausgrenzend, „emanzipatorisch“ oder „reaktionär“ wirken. © Peter Puck : © Peter Puck Wintersemester 2004/05Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse24.01.2005„Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien: Jannis Androutsopoulos | Juniorprofessur Medienkommunikation www.fbls.uni-hannover.de/medkom Wintersemester 2004/05 Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse 24.01.2005 „Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien You do not have the permission to view this presentation. In order to view it, please contact the author of the presentation.
Vorlesung PPT 10 Alfanso Download Post to : URL : Related Presentations : Share Add to Flag Embed Email Send to Blogs and Networks Add to Channel Uploaded from authorPOINTLite Insert YouTube videos in PowerPont slides with aS Desktop Copy embed code: (To copy code, click on the text box) Embed: URL: Thumbnail: WordPress Embed Customize Embed The presentation is successfully added In Your Favorites. Views: 938 Category: Entertainment License: All Rights Reserved Like it (0) Dislike it (0) Added: October 12, 2007 This Presentation is Public Favorites: 0 Presentation Description No description available. Comments Posting comment... Premium member Presentation Transcript Wintersemester 2004/05Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse24.01.2005„Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien: Jannis Androutsopoulos | Juniorprofessur Medienkommunikation www.fbls.uni-hannover.de/medkom Wintersemester 2004/05 Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse 24.01.2005 „Kanaksprak“ zwischen Alltag und MedienWas guckst du?: Was guckst du? "Kaya Yanar ist aufgrund seines unverwechselbaren und geistreichen Humors einzigartig - er ist Kult am Comedy-Himmel und vergrößert Woche für Woche stetig seine Fangemeinde. Innerhalb seines “Ethno-Comedy”-Konzepts schlüpft Kaya mühelos in die unterschiedlichen Rollen und Nationalitäten. Er ist Araber, Türke, Deutscher, Inder, Russe und Italiener in einer Person. Zusammen mit seinen ausländischen Figuren beschreibt er das ganz normale Zusammenleben zwischen Ausländern und Deutschen." www.sat1.de/comedy/wasguckstdu/Fragen: Fragen Was geht Kaya Yabar voraus, wie hat sich "Ethno-Comedy" entwickelt? Wie verhält sich die Sprache der "Ethno-Comedy" zur sprachlichen Wirklichkeit von Migrantenjugendlichen? Wie wird die Sprache der "Ethno-Comedy" von den Rezipienten aufgenommen und angeeignet? Fiktionale Texte, Stilisierung und Aneignung: Fiktionale Texte, Stilisierung und Aneignung Aneignung: kreativer Umgang mit medialen Ressourcen in der Rezipientenkommunikation Stilisierung: Vorführung des typischen Sprachverhaltens einer sozialen Kategorie Konzeption: Symbolische Verarbeitung gesellschaftlicher Erfahrung Gesellschaft- liche Milieus ? ?Vom Gastarbeiter zum ethnic chic der Großstädte: Vom Gastarbeiter zum ethnic chic der Großstädte Veränderung des sozialen Bildes der Migranten von den 1960-er Jahren bis heute Schwerpunkt: türkische Bevölkerungsgruppe Übergang vom Bild eines benachteiligten, sozial diskriminierten Proletariats zu einer selbstbewussten "Minderheit", die zu einer Art Leitethnie unter den Einwanderergruppen zu werden scheint. (Dirim & Auer 2004, Kotthoff 2004) 1990-er Jahre: Die explizite Thematisierung des Gastarbeiters als Objekt der Ausbeutung weicht der Anerkennung einer ethnisch-kulturellen Differenz. Prozesse der Selbst- und Fremdethnisierung Öffentliches Interesse an einer sich etablierenden "türkischen Jugendkultur"Kanak Sprak (1995) : Kanak Sprak (1995) Zaimoglu „erfindet“ 1995 den Sozialtypus des "Kanaken" und seine Sprache - Kanak Sprak. „Kanake! Dieses verunglimpfende Hetzwort wird zum identitätsstiftenden Kennwort, zur verbindenden Klammer dieser „Lumpenethnier“. Analog zur Black-consciousness-Bewegung in den USA werden sich die einzelnen Kanak-Subidentitäten zunehmend übergreifender Zusammenhänge und Inhalte bewußt.“ (S. 17) „Der Kanake spricht seine Muttersprache nur fehlerhaft, auch das „Allemanisch“ ist ihm nur bedingt geläufig. Sein Sprachschatz setzt sich aus "verkauderwelschten" Vokabeln und Redewendungen zusammen, die so in keiner der beiden Sprachen vorkommen.“ (S. 13) „Längst haben sie einen Untergrund-Kodex entwickelt und sprechen einen eigegen Jargon: die „Kanak-Sprak“, eine Art Creol oder Rotwelsch mit geheimen Codes und Zeichen.“ (S. 13)Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Keim 2003): Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Keim 2003) "aus dem Ghetto hinaus" "auf das Ghetto hin" "Ghettojugendliche" . . . Migrantenstämmige Jugendliche junge Männer "Kanaken" ( junge Frauen "Power Girls" )Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 1: Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 1 1. Sprachkontakt Sprache geprägt von dicht aufeinander folgenden Wechseln vom Türkischen ins Deutsche und umgekehrt In türkische Satzkonstruktionen werden deutsche Wörter und Phrasen übernommen ne rückgeld lan düdük ("was für Rückgeld, du Pfeife") Hatce simdi bi vergessen et für ne zeitlang („hey Hatce, jetz vergiss das mal für ne Zeitlang") türkischsprachige Satzteile werden mit deutschen zu einer syntaktischen Einheit verbunden kapatma ("schließ nicht zu"), sind noch sachen drin. Keim (2003): Keim (2003)Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 2: Zur Sprache von „Ghettojugendlichen“ – 2 2. Ethnolekte sprachliche Varietätn, die den Sprecher als Angehörigen einer ethnischen Gruppe kennzeichnen subjektive Wahrnehmung: Ethnolekt wird mit einer oder mehreren nicht-deutschen ethnischen Gruppen assoziiert; objektive Merkmale: Unterschiede von der gesprochenen Umgangssprache der Muttersprachler durch Merkmale verschiedener Art (prosodisch, phonetisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch) (Klein et al. 2002; Dirim & Auer 2004, 204)Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektales Deutsch : Ethnolektales Deutsch Ethnolektale Merkmale am Beispiel der "Turkish Power Boys": Ethnolektale Merkmale am Beispiel der "Turkish Power Boys" Phonetische Merkmale u.a. Koronalisierung des ich-Lauts (und zwar nicht nur in den Regionen, in denen dies dialektal vorkommt) auslautendes /r/ wird nicht vokalisiert (mach weiter) /r/ im Anlauf apikal gesprochen (gerollt) /ts/ zu [s] reduziert Morphologische und syntaktische Merkmale u.a. es fehlen Präpositionen, Artikel, Pronomen Präpositionen und lokale Adverbien werden anders verwendet als im Deutschen üblich Verbzweitstellung in SVO-Stellung umgewandelt (jetzt ich bin 18); Genus- und Kongruenzfehler (ein Ohrfeige geben)Ethnolekte und sprachliches Repertoire: Ethnolekte und sprachliches Repertoire Ethnolekt vs. Lernersprache Flüssige Sprechweise Merkmale des Ethnolekts sind nicht nur Interferenzen aus der L1 Identitätsstiftende Funktion für die Mitglieder der ethnischen Gruppe Ethnolekt z.T. als Ersatz für die (aufgegebene) Muttersprache Ethnolekt ist nicht die einzige Sprechweise, sondern Teil eines sprachlichen Repertoires, der auch andere Varietäten und Sprechstile umfasst Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“: Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“ Moritz Bleibtreu, 1999: "Und jetzt ist eben Türken-Slang angesagt. Auch eine absolute Bereicherung. Man spricht bewußt gebrochenes Deutsch, ignoriert die Grammatik und verwendet Wörter wie "kraß" oder "korrekt" mit hartem "r". Fast alle meine Freunde sind Türken, und wir reden manchmal tagelang nur so. "Kommst du Hamburg?" – "Nee, komme München." (...) In den sechziger Jahren, als die ersten türkischen Gastarbeiter kamen, wäre so eine Sprache jedenfalls undenkbar gewesen. (...) Das Selbstbewußtsein der Türken meiner Generation ist viel größer. Sie sind wie die deutschen Jugendlichen hier aufgewachsen, haben eine ähnliche Geschichte. Und aus diesem gemeinsamen Lebensgefühl entsteht jetzt wunderbarerweise eine gemeinsame Sprache. Während die Politiker noch endlos diskutieren, ob Deutschland nun ein Einwanderungsland ist oder nicht, haben die Jungs und Mädels Multikulti längst umgesetzt."Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“: Die sozialen Konnotationen von „Türkendeutsch“ Student aus Heidelberg, 1997: Das ist Furcht einflößend. Ich denke diese ethnischen Gruppen wissen, dass die Deutschen Angst vor Ihnen haben. Und wenn jetzt ein deutscher Bub bei dieser Gang kommt mit nem deutschen: [in normalem Akzent] ‘hey warum schaust du so blöd’ das wird überhaupt gar nicht (geachtet), aber wenn der Deutsche jetzt sagen würde: [ethnolektal ausgesprochen] ‘warum machst du mich so dumm an?’, also denk ich, das ist schon... Ethnolekt und jugendliche Migrantengangs (Schläger, Lans): aggressiv, asozial, gewaltbereit, gefährlich Türkendeutsch als funktionale Sprechweise: Türkendeutsch als funktionale Sprechweise Gebrauchskontexte des "Türkendeutsch" unter türkischen Jugendlichen in Berlin-Kreuzberg (Eksner 2000) In Konfliktsituationen mit Deutschen verwenden die (ansonsten Türkisch oder normales Umgangsdeutsch sprechenden) türkischen Jugendlichen ihr „krasseres Deutsch“, um eine fremde und bedrohliche Identität zu projizieren. In der In-Group wird "Türkendeutsch" in spielerischen Konflikten eingesetzt oder dient dazu, die Inkompetenz Dritter zu karikieren. Von der Realität in die Medien: Von der Realität in die MedienMediale Stilisierungen: Mediale Stilisierungen Chronologie 1995: Kanak Sprak (Zaimoglu) 1997: Knocking on heaven‘s door 1998: Wo du wolle? (SWR3) 1998: Mundstuhl / Erkan & Stefan „Moritz Bleibtreu spielte den besonders dämlichen Abdul, dessen Waffe eindeutig besser funktioniert als sein Gehirn. Seine Sprüche sind es, die dem Film einen Großteil seiner Lacher verschaffen. 1997 erhält Bleibtreu für diese Rolle den Lubitsch-Preis.“ www.prisma-online.de/tv/person.html? pid=moritz_bleibtreu Taxi Sharia (SWR 3)Mediale Stilisierungen: Mediale Stilisierungen Belletristik & Film (u.a. Zaimoglu, Fatih Akin) größere Realitätsnähe dokumentarische Züge Migrationshintergrund Comedy & Comics (u.a. Mundstuhl, Erkan & Stefan) „Hyperstilisierung“ (Kotthof 2004) parodistische Züge auch ohne Migrationshintergrund Gattungen"Kanak Sprak" bei Zaimoglu: "Kanak Sprak" bei Zaimoglu "Nachdichtung" Kanak Sprak (1995): kein Wort Türkisch Abschaum (1997): spärliche Wechsel ins Türkische "Amına koyum, die ganze Scheiße hab ich durchgemacht, Alter, ich komm hier draußen nicht klar." Beide Bücher: Sprechsprachlichkeit "Die Jungs und ich sitzen im Flohmarkt, wo denn sonst, Mann? Wo sonst sollen wir sitzen unter uns, und wo sonst sollen wir abhängen? Ein Abend wie der andere, wir saufen, Frauen, Koka, Joints ohne Ende, alle gut drauf, alle amüsieren sich, ein Samstag, der Laden voll mit Türken, alles Türken, da gabs noch kein H, kein Heroin und so, wir waren alle noch fit." Film: Film Über Fatih Akin: „Der Sohn türkischer Eltern beeindruckte Kritik und Zuschauer bereits 1998 mit seinem Spielfilmdebüt "Kurz und schmerzlos". Darin erzählt der Regisseur die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Türken, einem Griechen und einem Serben in Hamburg-Altona, seiner eigenen Heimat. Die Schwierigkeiten der Integration arbeitet er dabei nicht als kopflastiges Thema, sondern im Stil eines Gangsterfilms auf. Der Film erhielt neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen auch den Adolf-Grimme-Preis 2001.“ http://www.stern.de/unterhaltung/film/?id=520292 Mundstuhl, „Dragan & Alder“ (1998): Mundstuhl, „Dragan & Alder“ (1998)Dragan & Alder: Dragan & AlderDragan & Alder: Dragan & AlderDragan & Alder: Dragan & AlderErkan & Stefan : Erkan & Stefan Lebenswelt-Stilisierungen: Lebenswelt-Stilisierungen Film, Belletristik, Comedy – "subkulturelle Narrative“ "Ghetto-orientierte" Figuren, Kleinkriminalität, Drogengebrauch Comedy – "Proll-Türken" Aggressivität, Anmache und AngebereiSprachliche Stilisierungen: Realität und Fiktion im Comedy: Sprachliche Stilisierungen: Realität und Fiktion im Comedy (regionales) Umgangsdeutsch u.a. sprechsprachliche Reduktionen, regionale Phonologie, Ersetzung von als durch wie, jugendsprachliche Ausdrücke Ethnolektale Merkmale U.a. Koronalisierung des ich-Lautes – Vereinfachung von /ts/ zu /s/ – Kürzung langer Vokale – gerolltes /r/ – Fehlen von Artikeln, Präpositionen, Pronomen – Genus- und Kongruenzfehler – weißt du, ich schwör, korrekt, konkret krass Merkmale des Gastarbeiterdeutsch U.a. Vokalepenthese in komplexe Konsonantengruppen (schätrasse, schätudio, kalein) Comedy-Erfindungen „Universalartikel“dem (dem ist korrekt) Wortbildungen: brontal Abwesenheit von SprachwechselSlide31: [1] Koronalisierung des ich-Lauts (gleisch, isch) [2] Reduktionen (is, schwö' dir, vastehst, geh'n, un' ) [3] Einheitspronomen dem (dem ist..., dem kommt...) [4] Fehlen von Artikel (die), Präp. + Art. (in die), Pronomen (mein, es) [5] Kongruenzfehler (bevor bullen kommt, macht dem mann kickbox) [6] Dirkusrpartikeln, Formeln (weissdu | vaschtehs du? | isch schwö' dir | weiss wie isch mein? | korrekt ) [7] Wendungen ( es gibt terminator | jm. kickbox machen ) 2 1 1 2 2 2 3 3 3 4 4 4 5 6 6 6 7 7 1Zurück zu Kaya Yanar : Zurück zu Kaya Yanar "Jeder kriegt was ab" Vielfalt: Vermeidet es, nur eine Figur auszureizen, wechselt zwischen mehreren Figuren Bringt Ethnizität bewusst und explizit in den Vordergrund Komik-Quelle: Hyperstilisierte Fremde beziehen sich auf typisch deutsche Alltagsszenarien "Das Stereotyp wird so deutlich als Stereotyp gerahmt, dass eine Meta-Ebene entsteht. Man lacht nicht über den Italiener, sondern über die Witzfigur des Italieners, des Deutschen, etc." (Kotthoff 2004) "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung www.sat1.de/comedy/wasguckstdu/"Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung headnut.tv mundstuhl.de"Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung: "Kanaksprak" als strategische Sprachgestaltung"Kanakisch": "Kanakisch""Kanakisch": "Kanakisch"Fiktion und Wirklichkeit in „Kanakisch“: Fiktion und Wirklichkeit in „Kanakisch“ Kanaksprak im Alltag: Kanaksprak im Alltag Quellen Interviews mit einer Gruppe von Heidelberger Studenten (1997/98) Interviews mit 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (2000) - Keine natürlich vorkommenden "Kanaksprak"-Imitationen, sondern Berichte über solche Imitationen und Kommentare von Medientexten, die ich im Laufe des Interviews erwähnte, vorzeigte oder vorspielte. Deppermann (2002): Wie eine Jugendclique vom Dorf "Kanaksprak" nachmachtAneignung: Was: Aneignung: Was Vorgefertigte Wörter, Phrasen und Äußerungen ethnolektale Merkmale, die kreativ neu kombiniert werden Ein Srtudent übernahm von "Dragen & Alder" den "Universalartikel" dem und das Wort konkret und gestaltet damit normale Äußerungen des Alltags. was ist das? was ist dem? ich hab hunger ich hab dem konkret hunger. Themen-Auslöser : Kanaksprak wird durch ein Thema veranlasst, das für mediale Stilisierungen typisch ist (z.B. Mobiltelefone). Lexikalische Auslöser: Der normale Gebrauch von Wörtern wie krass, korrekt, konkret setzt eine ethnolektale Imitation in Gang. Diese Wörter seien so stark mit "Türkendeutsch" verbunden, dass man sie nicht mehr "normal" gebrauchen könne. Aneignung: Wie: Aneignung: Wie "Türkendeutsch" als Angelegenheit der Ingroup-Interaktion Imitation als Selbstzweck: Comedy-Szenen werden nachgeahmt Aneignung im engeren Sinne: "Türkendeutsch" wird in neue kommunikative Situationen eingesetzt, z.B. um Begeisterung, Frust, Unwissen, Enttäuschung oder Ablehnung auszudrücken, als kumpelhafte Begrüßung, scherzhafte Provokation oder anzüglicher Kommentar Ein Angestellter in den Endzwanzigern benutzt "Türkendeutsch", wenn irgendwas im Büro schief geht. Eine Bäckerei-Angestellte wird von einem Mitarbeiter im Backraum mit dem Spruch Wo du wolle empfangen. Zwei 14-jährige Gymnasiasten benutzen "Türkendeutsch" in spielerischen Anmachen: Zum Beispiel, manchmal sag ich so aus Spaß, so "Halt die Maul!" und dann sagt er "Was! Problem!?" und so. Also das ist dann eher so, da verarschen wir damit eher so Schlager. Aneignung: Wozu: Aneignung: Wozu Ansichten der Sprecher selbst: "aus Spaß", "als Witz", "just for fun". "Türkendeutsch" lockert das Gespräch auf Man will dadurch auffallen, sich sprachlich hervorheben Analyse: Verhältnis zwischen Sprecher und Code "Double voicing": das zweistimmige Wort (Mikhail Bakhtin) Ein Sprecher benutzt den Diskurs eines Anderen für seine eigenen Zwecke. „gleichgerichtetes“ (uni-direktionales) zweistimmiges Wort: Sprecher nimmt fremde Stimme als Teil der eigenen Identität an. „verschieden-gerichtetes“ (vari-direktionales) zweistimmiges Wort: Stimme und Sprecher sind klar voneinander getrennt; Gebrauch der fremden Stimme ist mit Spiel, Ironie und Parodie verbunden. "Türkendeutsch" als double voicing: "Türkendeutsch" als double voicing Eine Ressource, um sich Ausdrucksfreiheit zu verschaffen. Wie spricht man Tabu-Themen an? Verstellte Stimme Aneignung frender Sprechweisen Durch "Türkendeutsch" kann man Dinge sagen bzw. Handlungen durchführen, die in der eigenen Stimme einer Gesichtsverletzung oder einem Tabubruch gleich kämen Durch den Code-Wechsel wird die Gefahr, dass die Äußerung als unangemessen oder beleidigend aufgefasst wird, verringert. Beispiel: „Ahmet“: Beispiel: „Ahmet“ Wer: „Ahmet“, türkischstämmiger Student Wann [Situation]: Smalltalk mit einer bekannten Studentin Was: [ethnolektal ausgesprochen] korrekte charakter Worauf [Referenz]: Busen der Frau Woher [Quelle]: Erkan & StefanDeppermann (2002): Deppermann (2002) 01 Frank: hey die blond knut, (.) 02 des war en traum oder? (.) 03 Denis: <<lachend> die ANdere, (.) 04 die- (-) ziemisch 05 <<Stimme überschlägt sich> BR↑AUNE,(.) die war GEIL ey.> 06 Frank: och komm- (.) 07 die blond war- (-) 08 ä BRETT war des e [geRÄ::T (.) 09 [((inaudible)) (---) 10 Bernd: ja, (.) 11 schieb ma=n a:rsch wieder hoch, (---) 12 Denis: <<len, leicht lachend> aldär- (.) KONkret, (.) 13 ober- (.) KRASS.> (.) 14 Bernd: is ultraKRASS. (.) 15 Frank: <<len, h> den is <<f> u:ltragEIl,> (.) 16 aldär, (.) 17 den hab isch schon gesä:hn LETZte 18 Frank: [ja::hr, (.) hey aldär.> (.)] Deppermann (2002): Deppermann (2002) “Kanaksprak” in spielerischen Bewertungen: wird vom umgebenden Gespräch deutlich abgesetzt bleibt auf wenige lexikalische Einheiten eingeschränkt bleibt auf spezifische Aktivitäten beschränkt "Speakers who use stylized Kanaksprak take care to separate it clearly from their basic we-code by packaging stylized Kanaksprak in distinct segments of their own" (Deppermann 2002: 15) Ist Kanaksprak diskriminierend? : Ist Kanaksprak diskriminierend? Offene Diskriminierung Durch Zitate und fingierte Zitate werden einzelne „Kanaken“ bzw. die gesamte soziale Kategorie der „Kanaken“ als aggressiv und lächerlich porträtiert.Deppermann (2002): Deppermann (2002) Die Jugendlichen unterhalten sich über türkische Jugendliche aus ihrer Region. 01 Denis: du hast ja auch <<len> vOll die kO:mischen hAwacks 02 bei dir in de gruppe ey,> (-) 03 Knut: ja wer bei mIr? 04 Denis: =äh also in de kl:- (.) in de klAsse, (-) 05 Knut: isch hab kein: hAwack- 06 (1,0) 07 Bernd: [höhö-] 08 Denis: [kenns]te der eine spAst der immer so <<all>komisch labert,> 09 <<gepresst, f, tiefer werdend> HÖY Aldär höy OAldär öy kr↓Ass öy,> 10 hh. he. (-) 11 Frank: <<len> is=hald ↑Uldra den kerle wEIß=u,> (-) 12 Knut: wEn meinst=en dU? (1,0)Deppermann (2002): Deppermann (2002) Bernd und Wuddi laufen an einem von Zigeunern bewohnten Haus vorbei. Bernd zeigt auf das Haus und singt: 01 Bernd: <<singt> lümm> (-) kanagge [näd da:? ] 02 Wuddi: [<<len>I:sc]h fI:g dI:sch lA:n; (.) 03 Wuddi: I:sch> <<all> gib dir> korRE:KT- (.) 04 Wuddi: trEt dir in die frEsse; [(.) LAN; ] 05 Bernd: [aha ha HA-]Ist Kanaksprak diskriminierend? : Ist Kanaksprak diskriminierend? Offene Diskriminierung Durch Zitate und fingierte Zitate werden einzelne „Kanaken“ bzw. die gesamte soziale Kategorie der „Kanaken“ als aggressiv und lächerlich porträtiert. Latente Diskriminierung Der Gebrauch des karikierten Sprechstils trägt indirekt zur Reproduktion von Vorurteilen und Diskriminierung bei, und zwar unabhängig von den konkreten Absichten und Interaktionszielen der Sprecher. Jane Hill: Doppelte Indexikalität: Jane Hill: Doppelte Indexikalität Jane Hill, US-amerikanische Anthropologin, hat den scherzhaften Gebrauch von Spanisch ("Mock Spanish") unter monolingualen US-Amerikanern untersucht. „doppelte Indexikalität“: Ein karikierter Code stellt gleichzeitig zwei semiotische Bezüge her: „direkte Indexikalität“: Der Gebrauch des fremden Codes weist dem Sprecher (bzw. Performer) bestimmte Eigenschaften zu. „indirekte Indexikalität“: Der Gebrauch des fremden Codes verweist auf soziokulturelle Stereotype, die zur Interpretation der Äußerung notwendig sind. Beispiele Hill: Beispiele Hill Beispiel 1: Encino Man Beispiel 2: Encino Man Beispiel 3: Terminator 2 Beispiel 4: Terminator 2Nochmal: „Ahmet“: Nochmal: „Ahmet“ Wer: „Ahmet“, türkischstämmiger Student Wann [Situation]: Smalltalk mit einer bekannten Studentin Was: [ethnolektal ausgesprochen] korrekte charakter Worauf [Referenz]: Busen der Frau Woher [Quelle]: Erkan & Stefan Direkte Indexikalität? Indirekte Indexikalität?Beispiel aus einer Mailingliste: Beispiel aus einer Mailingliste Kontext: Mailingliste für elektronische Musik, Süddeutschland Stammuser u.a. DJs, Clubgänger Mitglied leitet Werbe-Mail einer DJ-Booking-Agentur an die Liste weiter Vorangestellter Kommentar Kanaksprak als Medienzitat: Kanaksprak als Medienzitat Beispiel „Katja“ Angestellter in der Bäckerei begrüßt sie mit: wo du wolle? Interpretation der Sprecherin: Der Angestellte würde genauso gut einen anderen Spruch verwenden, sofern er gerade angesagt wäre – wichtig sei nicht die Herkunft des Spruchs, sondern seine Aktualität. Beispiel „Jana“ Studentin im Gespräch mit einem ihr bekannten Dekanatsangestellten - Sie: Wir müssen die Sache noch konkretisieren - Er: (ethnolektal ausgesprochen) konkret. Interpretation : ein Versuch, die institutionelle Kommunikation aufzulockern durch einen Witz, der auf geteiltes Medienwissen verweist. Wenn ich korrekt [mit gerolltem /r/] sage und du nicht darauf reagierst, outest du dich als absoluter Loser. Kanaksprak als Medienzitat signalisiert einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund, eine gemeinsame massenmediale Kompetenz „Kanaksprak“, Medien und Sprachwandel: „Kanaksprak“, Medien und Sprachwandel "Türkendeutsch"/"Kanaksprak" als Beispiel für den Effekt der Massenmedien auf die Sprachmoden der Gesellschaft Medientexte transportieren sprachliche Muster von ihren Ursprungsmilieus hin zu breiteren Segmenten der Sprachgemeinschaft. Sie dienen damit als soziolinguistische Vermittler zwischen Teilgemeinschaften. Medien stellen symbolische Ressourcen zur Verfügung, die in die Alltagskommunikation eingehen und dort weiter verarbeitet werden. "Türkendeutsch" im Alltag kann – je nach Kontext - integrierend oder ausgrenzend, „emanzipatorisch“ oder „reaktionär“ wirken. © Peter Puck : © Peter Puck Wintersemester 2004/05Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse24.01.2005„Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien: Jannis Androutsopoulos | Juniorprofessur Medienkommunikation www.fbls.uni-hannover.de/medkom Wintersemester 2004/05 Medienlinguistik: Fragen und Ergebnisse 24.01.2005 „Kanaksprak“ zwischen Alltag und Medien